Napoleon auf Elba

Die Persönlichkeit Napoleon Bonaparte lebte 300 Tage auf der Insel Elba, vom 4. Mai 1814 bis 26. Februar 1815. Aufgrund des Vertrages von Fontainebleau vom 2. April 1814 wurde Napoleon nach Elba verbannt, wo er die Herrschaft über Elba, Pianosa und Palmaiola antreten sollte. Er zog Elba den Inseln Korsika und Korfu vor, die man ihm ebenfalls als Exil angeboten hatte. Den Kaisertitel durfte er beibehalten, und für die militärischen Aufgaben seines Exilhofes bewilligte man ihm 700 Infanteristen und 150 Kavalleristen. Am 27. April gelangte Napoleon mit seinen Generälen Drouot und Bertrand, aber auch begleitet von den Kommissaren des Alliierten, dem Österreicher Koller und dem Engländer Campbell, die ihn bewachen sollten, auf der letzten Etappe von Paris nach Fréjus, in elender Verkleidung den Mordanschlägen in der Provence entronnen. Im Hafen lag statt der versprochenen Korvette nur eine Brigg für ihn bereit, und die Eskorte war von der französischen Regierung auch vergessen worden. Kurzentschlossen entschied sich Napoleon für die englische Fregatte “Undaunted”, die Oberst Campbell auf des Kaisers Bitte hin befehligte. Am gleichen Tage, als Ludwig XVIII als Nachfolger Napoleons triumphal in Paris einzog, stach das Schiff mit dem verbannten Napoleon mit Kurs auf die Insel Elba in See. 4 Tage später ankerte die “Undaunted” in der Bucht von Portoferraio. Napoleon hielt sich aber noch 12 Stunden an Bord auf, möglicherweise um Zeit für Vorbereitungen zu geben oder um die Stimmung der Inselbevölkerung zu erfahren. Abgesandte der zivilen, militärischen, gerichtlichen und kirchlichen Behörden kamen an Bord, um dem Kaiser zu huldigen. Freundlich empfing sie Napoleon und bat General Dalesme, den Kommandanten der Stadt, den Albanern folgende Botschaft zu überbreiten:
“Einwohner der Insel Elba, die Schicksalsschläge haben den Kaiser Napoleon in Euro Mitte geleitet und aus seinem eigenen Willen heraus wird er zu euren Herrscher. Vor Überschreiten der Mauern Eurer Stadt hat Euer neuer und erhabener Monarch an mich die folgenden Worte gerichtet: General, ich habe meine Rechte im Interesse des Vaterlandes geopfert und ich habe mir das Eigentum und die Herrschaft über die Insel Elba vorbehalten; damit waren alle Mächte einverstanden. Habt die Güte, den neuen Stand der Dinge den Einwohnern mitzuteilen und dass die Wahl für meinen neuen Aufenthalt aufgrund der Sanftheit ihrer Sitten und der milde ihres Klimas auf ihre Insel gefallen ist. Sagt ihnen, dass sie der Gegenstand meines grössten Interesses sein werden.”
Das Manifest des Unterpräfekten lautete: “Das erfreulichste Ereignis, das je die Geschichte der Insel Elba berühmt hätte machen können, ist heute Wirklichkeit geworden. Unser erhabener Herrscher, der Kaiser Napoleon, ist zu uns gekommen. Gebt ruhig der Freude ihren Lauf, die Eure Seele überschwemmen muss.. Hört die ersten denkwürdigen Worte, die er an Euch alle gerichtet hat, während er mit den Beamten sprach, die Euch vertreten:Ich werde euch ein guter Vater sein, seid mir gute Söhne.”
 
Am 4. Mai um 15:30 Uhr ging Napoleonen Land und wurde von einer jubelnden Bevölkerung empfangen, die aus allen Teilen der Insel herangeströmt war. Die neue Flagge – ein weisses Feld mit rotem Querstreifen und drei Bienen darauf – wurde gehisst. Pietro Traditi, der Bürgermeister von Portoferraio, kam würdevoll dem Kaiser auf der Mole entgegen, um ihm die angeblichen Stadtschlüssel zu überreichen. Die echten hatte man in der kurzen Zeit nicht auftreiben können und deshalb schleunigst den Kellerschlüssel des Bürgermeisters vergolden lassen. Doch der Kaisergab dem Albaner die Schlüssel mit den Worten zurück: “Nehmen Sie sie wieder, Monsieur le Maire, ich vertraue sie Ihnen an und kann sie in keine besseren Hände legen.”
Nur sehr mühsam gelang es dem Kaiser, sich einen Weg durch die erregte Menge zu bahnen. In der Kathedrale wurde als Höhepunkt der offiziellen Empfangsfeierlichkeiten ein Dankgottesdienst abgehalten.
 
Das Leben Napoleons auf Elba hat zumindest am Anfang den Anschein, als habe der Kaiser die Absicht, Herrscher der kleinen Insel zu sein. Der Verlust seines Reiches konnte seine Energien kaum schmälern. Er war wie immer fest entschlossen, das Bestmögliche aus diesem kleinen Reich zu machen. So missfiel ihm gleich nach seiner Ankunft die Wohnung, die man ihm im Rathaus angeboten hatte. Sie war ihm viel zu laut; auch war er dort der ständigen Gefahr eines Attentats ausgesetzt. Schon bei seiner Ankunft entdeckte er einen ruhigen Platz mit aussergewöhnlicher Lage am Hügel zwischen den beiden Forts Stella und Falcone mit weitreichendem Rundblick. Es war der Palazzo dei Mulini, ein leicht zu verteidigender Posten, denn ein schwindelerregender Absturz schützte ihn vor einem Angriff von See, und das gekreuzte Feuer der beiden höherliegenden Festungen konnte jeden Ansturm zu Lande verhindern. Er wählte jenes Gebäude, das 1724 unter dem letzten Grossherzog der Medici, Gian Gastone, als Gerichtsgebäude mit Gefängniszellen erbaut worden war, zu seinem “Tuilerienschloss, dem Miniaturbild seiner Herrschaft”, wie es Gregorovius ironisch bezeichnete.
 
Napoleon hatte von Anfang an mit grossen Geldsorgen zu leben. Zwar war Ludwig XVIII. durch den Vertrag von Fontainebleau verpflichtet, jährlich zwei Millionen Franken an Napoleon zu zahlen, wobei eine Hälfte seine Ehefrau Marie-Louise erhalten sollte, doch niemals erreichte ihn von dem Bourbonenkönig auch nur ein einziger Centime. Trotzdem hielt er recht bald Ausschau nach einer Sommerresidenz. Als er eines Tages durch das Tal von San Martini ritt, nur knapp 7 km von Portoferraio entfernt, beeindruckte ihn die Schönheit dieses Fleckchens mit seinem versteckten und doch nahe der Stadt befindlichen Lage. So bat er seine Schwester Pauline und seine Mutter, welche beide auch nach Elba kamen um die Mitfinanzierung eines einfachen Häuschens. Diese mussten dafür ein paar Brillanten verkaufen. Das haus wurde nach den Wünschen Napoleons umgestaltet. Die Villa San Martino ist heute ein Museum.
 
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