Römer auf Elba

Zwischen Etruskern und Römern muss eine zwiespältige Beziehung bestanden haben, in der sich Bewunderung und Feindseligkeiten mischten. Die Vorherrschaft Roms begann mit der Unterwerfung der Etruskerstadt Veji 396 v. Chr., musste aber in den folgenden vier Jahrhunderten immer wieder durch zahlreiche Kriege zwischen Rom und Etrurien ausgebaut und bekräftigt werden, bis schliesslich Kaiser Augustus im Jahre 40 v. Chr. Etrurien als VII. Region dem römischen Herrschaftsbereich eingliedern konnte. Schon vorher hatten sich auch die Griechen um die Herrschaft im Tyrrhenischen Meer bemüht. Es gelang Ihnen 453 v. Chr. zeitweilig Elba zu besetzen und nicht weit von der heutigen Hauptstadt Portoferraio eine Siedlung namens Argoos zu gründen.
 
Durch die Kupfer- und Eisenerzverhüttung auf Elba waren im Laufe der Jahrhunderte die Wälder abgeholzt worden, so dass die Etrusker ihre Verhüttungsanlagen auf das toskanische Festland in die Stadt Puplona (Populonia) verlegten, die dadurch zum “Zentrum der ersten Grossindustrie auf europäischem Boden ausgebaut wurde. Diese Verlegung mag aber auch politische Gründe gehabt haben (M. Zechine 1978), denn in Populonia war schon seit dem 8. Jahrhundert Kupfer und Silbererz von Campigliese geschmolzen worden, und mit der neuen Reduktionsaktivität wurde gleichzeitig der Anfang des Niedergangs von Cerveteri 384 v. Chr. eingeleitet. Es waren jene Griechen von Syrakus, die Pyrgi, den wichtigsten Hafen von Cerveteri, plünderten und zerstörten. Von diesem Hafen wurde die Ausbeute an Metallen in den Tonfabergen verschifft, eine der wichtigsten Quellen des Reichtums vonCeveteri. 354 v. Chr. erklärte Rom Cerveteri (Caere) wegen seiner Beteiligung am Einfall von Tarquinia in sein Salinengebiet den Krieg, womit der Niedergang begann.
 
Innerhalb kurzer Zeit gelang es den Römer die Griechen von Elba zu vertreiben und die Insel unter dem römischen Namen Ilva für sich zu nutzen. Bis in das 4. Jahrhundert v. Chr. reichen die römischen Spuren zurück und bis heute erinnern die Namen der Ortschaften an die römischen Gründungen, wie Pomonte (Post Montem) oder Capoliveri (Kaputt Lieberem).
 
Die Römer beuteten aber nicht nur die Erze von Ostelba aus, sondern auch die reichen Granitvorkommen des Monte-Capanne-Massivs, denn der Bedarf der Hauptstadt an Säulen, Wasserbecken und Vasen für die Paläste und Plätze war gross. Viele Granitfelsen wurden aus der Südwestflanke des Gebirges bei Cavoli, Seccheto und Vallebuia gebrochen und auf untergelegten Baumstämmen bergab zu den Lastkähnen transportiert. Granitsäulen von Elba schmücken zum Beispiel das Pantheon in Rom oder die Basilika San Polo fuori le Mura.
 
Römer auf Elba
Villa Romana Umrisse
 
 
Villa Romana delle Grotte
 
Der Präfekt Publius Acilius Attianus wird auch als Besitzer des römischen Landhauses angesehen, dessen Überreste bei Le Grotte gegenüber von Portoferraio, hoch über der weiten Meeresbucht, in den Jahren 1964 – 1968 zum grössten Teil freigelegt wurden. Die luxuriöse rechtwinklige Anlage und die ausgezeichnete Aussicht auf die elbanische Landschaft sind eines römischen Präfekten durchaus würdig gewesen, obwohl weder Inschriften noch sonstige Beweise den Besitzer bis heute bestätigen können.